Bauteilanschlüsse für Fenster und Türen

Bauteilanschlüsse von Fenstern und Türen müssen nach dem aktuellen Stand der Technik absolut luft- und schlagregendicht ausgeführt sein. Nur so können die hohen energetischen Anforderungen, die heute an die Gebäudehülle gestellt werden sich erfüllen. Diese Montageweise wird auch als RAL-Montage bezeichnet. Weiterhin erfüllen diese Bauteilanschlüsse auch statische Anforderungen und müssen demnach Eigenlasten sowie Zusatzlasten abtragen. Werden die Wechselwirkungen der äußeren Einflüsse nicht berücksichtigt, kommt es zu Problemen und Mängeln.

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Arten von Fensteranschlüssen

Fensteranschlüsse werden in Sohl- (außen) beziehungsweise Fensterbank (innen) oder auch Fensterbrüstung, Fensterlaibungen und Fenstersturz unterteilt. Prinzipiell gibt es für die Ausführung der jeweiligen Anschlüsse drei verschiedene Möglichkeiten, die sich wiederum nach der Art des Wandaufbaus richten. Man unterscheidet folgende Varianten:

Innenanschlag

Der Innenanschlag eignet sich für zusätzlich gedämmtes Mauerwerk, zweischalige Konstruktionen oder beim Einsatz von Anschlagziegeln. Die Fugenausbildung ist dabei zweistufig, der Blendrahmen wird auf der Außenseite von der äußeren Schale des Mauerwerks überdeckt. Die Windsperre in Form eines komprimierten Dichtungsbandes oder einer Abdichtungsfolie kann bei dieser Konstruktion nach innen gelegt werden und ist so sicher geschützt. Gleichzeitig wird die Luftdichtheit gewährleistet. Ideal ist, wenn der Blendrahmen zu etwa 50% von der Dämmebene überdeckt wird. Ein weiterer Vorzug ist der durch diese Fugenüberdeckung erreichbare Schallschutz. 

Außenanschlag

Der Außenanschlag ist im Neubau nur noch selten zu finden und wird allenfalls dann eingesetzt, wenn spezielle, nach außen aufschlagende Fenster eingebaut werden sollen. Der Blendrahmen des Fensters sitzt bei dieser Anschlussvariante an der Wandaußenseite. Vorteile hat dieser Anschluss heute kaum noch, dafür verschiedene Nachteile wie den fehlenden Schutz der Fuge zwischen Blendrahmen und Wand und die unvermeidlichen Wärmebrücken. 

Stumpfe Laibung

Die stumpfe Laibung, die bei monolithischen Außenwänden angewandt wird, galt lange Zeit als Standardlösung bei Häusern, die in Ziegelbauweise errichtet werden. Um den neuen Vorgaben zu entsprechen und um die Nachteile der einstufigen Fugenausbildung zu vermeiden, wird mittlerweile meist auch hier der Innenanschlag eingesetzt wird. Möglich wird dies durch speziell ausgeformte Anschlagsziegel oder eine zusätzliche Wärmedämmschicht auf der Außenseite der Wand. Wird dennoch ein stumpfer Anschlag ausgeführt, dann muss die Fensterebene immer im mittleren Drittel der Wand angeordnet werden, um Wärmebrückenverlust über die Laibung möglichst gering zu halten.

Ausdehnung durch Temperaturschwankungen

Bei allen Anschlagsarten ist zu beachten, dass sich die Fenster durch Temperaturschwankungen ausdehnen können und deshalb entsprechende Fugenbreiten vorgesehen werden müssen. Wie groß die möglichen Längenänderungen sind, hängt vom Material ab:

  • Helle Kunststoff- und Aluminiumverbundrahmen: 1,5 mm/m
  • Dunkle Kunststoff- und Aluminiumverbundrahmen: 2,5 mm/m

Als Mindestfugenbreiten werden für diese Materialien 10 bis 30 mm angeben, für Holzfenster sind Fugen von 10 mm in der Regel ausreichend.

Befestigungsmittel für Fenster

Für die Montage von Fenstern können unterschiedliche Befestigungsmittel eingesetzt werden. Nicht zulässig ist die Befestigung mit Dichtstoffen oder Montageschaum. Welche Befestigungsmittel eingesetzt werden, hängt vor allem von den verwendeten Materialien ab.

  • Spreizdübel oder auch Rahmendübel sind universell einsetzbar und werden durch den Rahmen im tragfähigen Wandmaterial verankert. Die Bohrungen sollten möglichst nicht in den wasserführenden Bereichen der Fensterprofile gesetzt werden. Beim Einsatz von Spreizdübeln müssen unbedingt die Mindestrandabstände des Herstellers beachtet werden.
  • Laschen oder Schlaudern sind vergleichsweise biegeweich und können die temperaturbedingten Längenänderungen der Rahmenmaterialien gut aufnehmen. Zu beachten ist, dass Laschen nur solche Kräfte aufnehmen können, die senkrecht zur Fensterebene wirken.
  • Anker- oder Montageschienen eignen sich für großflächige Fenster, für die Aufnahme großer Lasten und bei besonderen Anforderungen. Sie sind in unterschiedlichen Längen erhältlich und zum Beispiel in Form eines C-Profils ausgebildet.

Für den Abstand der Befestigungspunkte ist ein maximaler Abstand von 800 mm, bei Kunststofffenstern von 700 mm, festgelegt.

Außentüranschlüsse

Die meisten Türrahmen bestehen aus einem Blendrahmen, der mit einem Türblatt gefüllt ist. Üblich sind für den Einbau von Türen Anschläge analog zum Fensteranschluss. Während Innen- und stumpfer Anschlag häufig zu finden sind, wird der Außenanschlag für Hauseingangstüren kaum mehr eingesetzt und ist allenfalls bei Nebeneingängen zu Nichtwohngebäuden zu finden.

Überblick Dichtstoffe

Eine umlaufende Dichtung sichert die Schlagregen- und Luftdichtigkeit der Bauteilanschlüsse von Fenstern und Außentüren. Für die Abdichtung können verschiedene Materialien eingesetzt werden:

Elastische Dichtstoffe

Elastische Dichtstoffe können Fugenbewegungen bis etwa 4 mm aufnehmen. Es empfiehlt sich, beim Einsatz elastischer Dichtstoffe immer auch Rücksprache mit dem Hersteller zu halten oder die Angaben zur Verwendung und zum Einbau genau zu beachten. Werden elastische Dichtstoffe verwendet, dann ist zu beachten, dass diese fest an den Fugenflanken haften müssen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. 

Komprimierbare Dichtbänder

Komprimierbare Dichtbänder werden häufig auch als Kompribänder bezeichnet. Verwendet werden diese Systeme häufig in der Altbausanierung und sind ebenso Bestandteil der äußeren Fugenabdichtung bei der RAL Montage. Der große Vorteil der Systeme ist, dass die Dichtbänder nicht auf Zug belastet werden. Kompribänder werden zur Verbesserung des Wärmeschutzes häufig in Verbindung mit PU-Schaum eingesetzt. Während das Band die Fuge abdichtet, verschließt der Schaum die verbleibende Restfuge. 

Bauabdichtungsfolien

Bauabdichtungsfolien kommen für Bauteilanschlüsse an zweischaliges Mauerwerk zum Einsatz. Die wasserundurchlässigen Folien können Bewegungen ausgleichen. Verwendbar sind zum Beispiel Dichtungsbahnen nach DIN 16935 „Kunststoff-Dichtungsbahnen aus Polyisobutylen (PIB)“. 

Die RAL-Montage

Unter dem Begriff RAL-Montage versteht man einen ausführlichen Leitfaden zum Einbau von Fenstern und Außentüren nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Entwickelt wurde dieser Leitfaden aus der Anforderung an absolut dichte Gebäudehüllen, die sich aus den Vorgaben der Energieeinsparverordnung ergeben. Gerade der Fenster- und Türanschluss ist ein sehr sensibler Bereich, Fehler, die dort gemacht werden, rächen sich schnell durch erhöhte Heizkosten oder Schimmelbildung. Wichtiger Bestandteil der RAL-Montage ist also die fachgerechte und dauerhaft dichte Ausbildung der Fugen, die zum Beispiel durch selbstklebende Anputzdichtleisten oder Dichtbänder realisiert werden kann. Montageschäume, die früher gerne auch als Dichtmittel eingesetzt werden, dienen nur noch zum Verfüllen von Hohlräumen, die nach der Abdichtung verbleiben. Ein wichtiger Grundsatz der RAL-Montage lautet: Innen dichter als außen. Umgesetzt wird dies durch eine diffusionsdichte raumseitige und eine diffusionsoffene und schlagregendichte äußere Abdichtung.

Dichtigkeitsprüfung mit dem Blower Door Test

Die Dichtigkeit einer Gebäudehülle lässt sich mit dem Blower Door Test ermitteln. Dazu wird ein Ventilator in eine Außentür eingespannt, der im Haus einen Über- oder Unterdruck von 50 Pascal erzeugt. Der dafür erforderliche Luftstrom ist von der Dichte der Hülle abhängig und muss innerhalb bestimmter Grenzwerte liegen. Je kleiner der gemessene Wert, umso dichter ist das Gebäude. Außer in Gebäuden mit Lüftungsanlage, für die eine Förderung beantragt ist, ist der Blower Door Test ein Verfahren, dass freiwillig durchgeführt werden kann. Die Kosten inklusive Ortung der Leckagen, Messprotokoll und Zertifikat betragen rund 350 Euro.